Monatelang hatte der kleine Lexian Lord Mkal mit einem Wunsch in den Ohren gelegen: Er wollte unbedingt „Das Phantom der Oper“ sehen. Schließlich kaufte der Lord zwei Karten. Am 5. November 2026 führte ihr gemeinsamer Ausflug nach Köln – zur allerersten Vorstellung der Vorpremieren im Musical Dome. Ein Abend mit großer Musik, eindrucksvoller Bühnentechnik und einer kleinen Anregung für die Ausstattung des heimischen Schlosses.
Zunächst aber galt es, ein wesentlich dringlicheres Anliegen zu klären.
„Ich hab Hunger“, erklärte Lexian, nachdem Mkal ihn am Kölner Hauptbahnhof abgeholt hatte. Also führte der Weg erst einmal in ein Restaurant. Dort bekam der Kleine einen Leberkäse. Die Pariser Oper konnte warten; ein hungriger Lexian offenbar weniger.
Danach ging es ins Theater. Schon vor dem Eingang kündigte ein großes, zwischen den Stahlträgern gespanntes Banner das Phantom an. Goldene Buchstaben leuchteten auf einem Motiv aus roten Stoffbahnen und üppigen Ornamenten; darunter prangte die unverwechselbare weiße Halbmaske. Vor dem dunklen Abendhimmel setzte das einen wirkungsvollen ersten Akzent. Die Welt der Oper begann hier bereits vor der Tür.
Im Foyer führten rote Vorhänge, kleine Kronleuchter und Lichterketten diese Atmosphäre weiter. Unter der hohen, dunklen Decke öffnete sich der Blick über mehrere Ebenen, über Galerien und Treppen bis hinunter zum Eingangsbereich. An den Bars leuchteten die Flaschenreihen, an den Tischen saßen und standen die Besucher beisammen. Zwischen all dem Rot, den warmen Lichtpunkten und den dunklen Brüstungen wirkte selbst das Warten wie ein Teil des Theaterabends.
Lord Mkal mischte sich vollkommen unauffällig darunter. Die Blicke anderer Besucher ignorierte er mit jener Selbstverständlichkeit, die für diese besondere Form der Unauffälligkeit offenbar erforderlich ist.
Im Saal erhielt die Pracht einen passenden Rahmen: Reich verzierte Logen flankierten die Bühne, über der sich ein goldener Bogen mit einer Lyra im Scheitel spannte. Zur Gestaltung gehörte ein Vorhang in leuchtendem Rot und warmem Gold, mit kunstvoll dargestellten Stofffalten, Quasten, Ranken und Figuren. Ein üppiges Bild, in dem es auch abseits der Mitte immer noch etwas zu entdecken gab.
Besonders eindrucksvoll fügte sich der große Kronleuchter ein. Mehrere Etagen glitzernder Ketten, geschwungene Arme und zahlreiche warm leuchtende Lampen machten ihn schon für sich zu einem Blickfang. Zusammen mit dem reich geschmückten Vorhang vermittelte er jene verschwenderische Opernpracht, zu der die düstere, von schleierartigen Bahnen überzogene Bühnenszenerie einen reizvollen Gegenpol bildete. Glanz und Geheimnis lagen hier dicht beieinander.
Die beiden hatten einen besonderen Zeitpunkt erwischt. Am 5. November begann die öffentliche Preview-Phase der Kölner Produktion; die offizielle Deutschlandpremiere ist für den 15. November vorgesehen. Solche Vorpremieren zeigen bereits die vollständige Aufführung, lassen dem Produktionsteam aber noch Gelegenheit für letzte Anpassungen.
Zu sehen ist Cameron Mackintoshs Neuinszenierung von Andrew Lloyd Webbers Musical. Diese Fassung wurde 2012 erstmals gezeigt und kommt nun erstmals nach Deutschland. Sie verbindet ein neu gestaltetes Bühnenbild und einen neuen Kronleuchter mit den in überarbeiteter Form erhaltenen Kostümentwürfen von Maria Björnson.
Im Mittelpunkt steht die Geschichte des maskierten Phantoms, das unter der Pariser Oper lebt, und der jungen Sängerin Christine Daaé. Ihre Verbindung und die Liebe des Adligen Raoul zu Christine führen in ein Drama um Sehnsucht, Eifersucht und Besessenheit.
Bei dieser ersten Vorpremiere am Donnerstag, dem 5. November, um 19:30 Uhr spielte Milan van Waardenburg das Phantom. Lisanne Veeneman stand als Christine Daaé auf der Bühne, Tobias Joch als Raoul, Vicomte de Chagny. Für Mkal und Lexian wurde daraus an diesem Abend vor allem eines: ein kraftvolles Theatererlebnis.
Mkal überzeugte das Zusammenspiel von Bühne und Orchester. Die darstellerische und musikalische Leistung besaß für ihn genau jene Kraft, die einen solchen Abend trägt. Sein Urteil fiel entsprechend klar aus: Sowohl die Darsteller als auch das Orchester hatten sich die Standing Ovations am Ende verdient.
Auch das Bühnenbild bestand seine Prüfung. Es überzeugte den Lord optisch ebenso wie technisch. Bei einem Schlossherrn bleibt die Aufmerksamkeit für bemerkenswerte Konstruktionen schließlich selten auf deren bloße Betrachtung beschränkt.
Besonders die ausfahrbaren Treppenstufen boten Anlass zu weiterführenden Überlegungen. Eine solche Einrichtung hätte durchaus ihren Reiz. Eine kleine Störung derselben sorgte allerdings dafür, dass Mkal für das eigene Schloss vorerst doch bei Aufzügen bleiben möchte. Die Bühne lieferte damit neben Unterhaltung auch einen nützlichen Beitrag zur herrschaftlichen Bauplanung.
Diese kleine technische Unregelmäßigkeit gehört in den Zusammenhang des Abends: Mkal und Lexian besuchten die erste Vorstellung der Vorpremiere. Gerade in dieser Phase sind letzte Anpassungen noch vorgesehen. Den positiven Gesamteindruck des Lords schmälerte das Erlebnis mit den Treppen nicht.
Nach der Vorstellung führte der Weg zurück zum Hauptbahnhof. Dort entstand kurz die Idee, den Ausflug spontan bis nach Milano auszudehnen. Nach einem Abend in der Welt der Pariser Oper wäre Italien als nächstes Ziel gewiss ein reizvoller Gedanke gewesen. Der Terminkalender erwies sich jedoch als durchsetzungsfähig, und die Reise wurde rasch wieder verworfen.
So blieb es bei einem gelungenen Theaterbesuch in Köln. Lexians lange vorgetragener Wunsch war erfüllt, und Mkal nahm einen überzeugenden Eindruck von der Neuinszenierung mit. Milano musste warten. Die Aufzüge im Schloss durften bleiben.