Nikolas Nagy hat gelernt, auf sich selbst zu achten, lange bevor er in Mkalvania ein Zuhause fand. Das Leben auf der Straße hat ihn geprägt und gestählt. Heute kümmert er sich um die Tiere und Felder des Landes, braut gelegentlich Getränke für die Taverne und findet trotzdem noch genügend Zeit für Unfug. Denn Nikolas wäre nicht Nikolas, wenn er sich von Arbeit und Verantwortung vollständig vom Lachen abhalten lässt.
Nikolas hat eine Vergangenheit, über die er nicht viele Worte verliert. Eine Zeit lang lebte er auf der Straße und musste sich das Wissen, das er zum Überleben brauchte, bei anderen Menschen zusammensuchen. Wer so lebt, lernt früh, aufmerksam zu sein, Gelegenheiten zu erkennen und sich nicht leicht unterkriegen zu lassen.
Irgendwann führte sein Weg nach Mkalvania – ob durch Zufall oder durch etwas, das sich nur im Nachhinein als Schicksal bezeichnen lässt, weiß vermutlich niemand genau. Yong und Theo Nagy fanden ihn. Sie nahmen ihn mit, gaben ihm ein Zuhause und adoptierten ihn später. Aus einer ungewöhnlichen Begegnung wurde eine Familie.
Ein Zuhause, das gefunden wurde
Nikolas suchte sich einst ein ruhiges Plätzchen, um heimlich zu rauchen. Yong und Theo Nagy erwischten ihn dabei. Was für andere vielleicht mit einer Ermahnung geendet hätte, wurde bei ihnen zum Anfang einer neuen Geschichte: Sie nahmen Nikolas mit. Später adoptierten sie ihn.
Die drei scheinen auf eine eigentümliche, aber sehr passende Weise zusammenzugehören. Nikolas kann frech sein, macht Unfug und trägt den Ruf eines kleinen Rascals. Seine Eltern wissen allerdings offenbar sehr genau, mit wem sie es zu tun haben – denn, wie Nikolas selbst trocken feststellt, sind Yong und Theo ebenfalls keine ganz gewöhnlichen Menschen. Vielleicht ist es gerade diese Gemeinsamkeit, die aus ihrer Familie eine so stimmige Verbindung macht.
Zwischen Tierstall, Feld und Taverne
Auf den Feldern Mkalvanias übernimmt Nikolas wichtige Aufgaben. Er kümmert sich vor allem um die Tiere, sorgt für Wasser und Futter und hilft dabei, das Futter überhaupt erst anzubauen. Das ist Arbeit, die selten im Mittelpunkt steht, ohne die das Leben im Land jedoch nicht funktionieren würde.
Dass Nikolas trotz dieser Verantwortung noch Zeit für Unfug findet, gehört ebenso zu seinem Wesen wie sein lautes Lachen. Nebenbei braut er hin und wieder Getränke für die Taverne. Seine Kenntnisse stammen nicht aus einer angesehenen Lehrstube. Er beobachtete während seiner Zeit auf der Straße einige ältere Menschen, die ihr Wissen weitergaben, ohne vermutlich zu ahnen, dass Nikolas daraus eines Tages etwas Eigenes machen würde.
In Nikolas' Geschichte liegen deshalb zwei Seiten dicht beieinander: die Härte eines Lebens, in dem man sich selbst helfen musste, und die Leichtigkeit eines Menschen, der inzwischen wieder lachen, arbeiten und seine Familie mit kleinen Streichen auf Trab halten kann.
Ein Gespräch mit Nikolas
Nikolas erzählt nicht gern lange von früher. Manche Antworten kommen knapp, andere mit einem Lachen. Doch zwischen den Worten wird deutlich, wie viel er erlebt hat – und wie wichtig ihm das Zuhause ist, das er in Mkalvania und bei Yong und Theo gefunden hat.
MG: Wie lange lebst du schon in Mkalvania?
Nikolas Nagy: Ich weiß gar nicht, wie lange ich schon hier bin. Ist echt lange.
MG: Deine Eltern sind Yong und Theo. Wie habt ihr euch kennengelernt?
Nikolas Nagy: Ich hatte mir ein ruhiges Plätzchen gesucht und habe da heimlich geraucht. Die beiden haben mich dabei erwischt.
MG: Und dann?
Nikolas Nagy: Und dann haben sie mich mitgenommen.
MG: Um dir das Rauchen abzugewöhnen?
Nikolas Nagy: Das wohl auch. (lacht) Später haben sie mich adoptiert.
MG: Sie haben dich adoptiert – auch wenn manche meinen, du wärst ein schlimmer … Rascal.
Nikolas Nagy: Das sind Yong und Theo auch.
MG: Ihr passt also zusammen?
Nikolas Nagy: Ja, voll.
MG: Ich habe dich öfter auf den Feldern gesehen. Da rauchst du sicher nicht immer, sondern schaffst viel. Was ist dort zu tun?
Nikolas Nagy: Hauptsächlich kümmere ich mich da um die Tiere. Die brauchen Wasser und Futter, und das Futter muss auch angebaut werden. Ist viel Arbeit.
MG: Also bist du einer der Landwirte hier – mit all den wichtigen Aufgaben?
Nikolas Nagy: Das stimmt. Aber ich habe trotzdem Zeit, Unfug zu machen. (lacht laut)
MG: Um nebenbei noch ein paar Getränke für die Taverne zu brauen … Wer hat dir das beigebracht?
Nikolas Nagy: Vor meiner Adoption habe ich einige Zeit auf der Straße gelebt. Da lernt man einiges, um zu überleben.
MG: Da lernt man dann auch, leckere Getränke zu brauen? Gab es einen Lehrer, der dich das gelehrt hat?
Nikolas Nagy: Ich konnte ein paar alte Penner dabei beobachten.
MG: Eine letzte Frage: Was wünschst du dir für dich und deine Familie?
Nikolas Nagy: Hmm … Ich wünsche mir und meiner Familie ein Zuhause, in dem wir friedlich leben können und Spaß haben.
Ein Zuhause zum Bleiben
Nikolas Nagy ist keiner, der seine Vergangenheit in großen Worten vor sich herträgt. Vielleicht liegt gerade darin seine Stärke. Er weiß, was es bedeutet, ohne sicheren Ort und ohne verlässliche Familie auszukommen. Umso mehr schätzt er das Leben, das ihm in Mkalvania geschenkt wurde – und das er inzwischen selbst mitträgt.
Zwischen Tieren, Feldern, Taverne und kleinen Streichen hat Nikolas seinen Platz gefunden. Er arbeitet, lacht, braut und sorgt sich um die Menschen, die zu seiner Familie geworden sind. Sein größter Wunsch ist dabei erstaunlich schlicht: ein Zuhause, in dem man friedlich leben und gemeinsam Spaß haben kann. In Mkalvania scheint er diesem Wunsch ein gutes Stück nähergekommen zu sein.