Wer Sinthoras Zabelin begegnet, bemerkt zuerst die Ruhe, mit der er einem Raum seine Schärfe nimmt.
Er drängt sich nicht in den Mittelpunkt und braucht keinen Titel, um wahrgenommen zu werden. Wo andere noch nach den richtigen Worten suchen, hat Sinthoras oft schon verstanden, was zwischen ihnen unausgesprochen bleibt.
Sinthoras ist ein Mensch von etwa fünfunddreißig Jahren und rund einhundertfünfundsiebzig Zentimetern Größe. Sein mittelblondes Haar und sein offenes, freundliches Gesicht lassen ihn zugänglicher wirken als viele Gestalten, die sich in den Hallen Mkalvanias bewegen. Er trägt Kleidung von ähnlicher Würde wie Lord Mkal, doch an ihm wirkt sie weniger wie ein Zeichen der Herrschaft als wie die selbstverständliche Haltung eines Menschen, der seinen Platz kennt, ohne ihn vorzeigen zu müssen.
Als adoptierter Bruder Lord Mkals gehört Sinthoras zu jenem kleinen Kreis von Menschen, denen Nähe nicht erst verdient werden muss. Ihre Verbindung beruht nicht auf gemeinsamem Blut, sondern auf gemeinsam getragener Geschichte, auf Vertrauen und auf der stillen Gewissheit, füreinander einzustehen. Sinthoras begegnet dem Herrscher nicht mit Unterwürfigkeit, aber auch nicht mit gedankenloser Vertraulichkeit. Er kennt die Verantwortung, die auf Mkal liegt, und erinnert ihn zugleich daran, dass hinter jeder Krone noch ein Wesen steht.
Ruhig, charmant und offen findet Sinthoras Zugang zu Menschen, die sich vor der Größe Mkalvanias oder vor der langen Geschichte seines Bruders zunächst scheuen. Er hört aufmerksam zu, urteilt selten zu schnell und besitzt jene unaufdringliche Freundlichkeit, die aus einer Begegnung leicht ein vertrautes Gespräch werden lässt. Gerade weil er nicht versucht, jedes Geheimnis zu lösen und jede Entscheidung an sich zu ziehen, wird seine Gegenwart für viele zu einem sicheren Halt – ein menschlicher Blick in einer Welt, in der nicht alles Menschliche selbstverständlich geblieben ist.