Joeh Acker ist ein Waldelb, ein Wanderer zwischen versunkenen Ländern und ein Hüter dessen, was nicht jedem Auge offensteht. Wo andere nur eine verschlossene Quelle sehen, erkennt Joeh ein Vermächtnis, das seine Familie über viele Generationen getragen hat. Heute ist er vor allem als Wirt des Mellon bekannt – doch hinter dem Namen der Taverne und seiner ruhigen, wachsamen Art liegt eine Geschichte, die durch Beleriand, die Höhlen der Drows, Mimari, Merilandor und Clevis führt.

Ganzkörperdarstellung von Joeh Acker, einem Waldelben in grüner mittelalterlicher Kleidung
Joeh Acker, Waldelb, Quellenhüter und Wirt des Mellon

Von seinen Vorfahren weiß Joeh vor allem, was ihm seine Eltern überlieferten. Einst sollen sie in Beleriand gelebt haben und zu den Nachfahren jener Waldelben des Düsterwaldes gehört haben, die ihre Heimat nur selten verließen und sich lange aus den Angelegenheiten der übrigen Welt heraushielten. Erst Familienintrigen brachten Unruhe in dieses zurückgezogene Leben. Einige seiner Vorfahren wanderten ab und suchten sich fern der alten Heimat einen neuen Platz in der Welt.

Joeh selbst war der Zweitgeborene seiner Familie. Das Landgut in der Grafschaft Amandil, nahe Lórien, überließ er vollständig seinem Bruder. Nicht aus Mangel an Verbundenheit, sondern aus dem Bedürfnis, den Weg selbst zu wählen. Während sein Bruder das Erbe und die Verantwortung für das Gut übernahm, zog Joeh hinaus – zunächst ohne zu wissen, wohin ihn die Straßen, die Meere und die alten Geschichten führen würden.

Denn in seiner Familie bewahrte man nicht nur Erinnerungen an ferne Länder. Nahe Verwandte, so berichteten seine Eltern, waren über lange Zeit Hüter der Quellen gewesen. Sie wirkten meist im Hintergrund, wachten, bewahrten und griffen nur selten sichtbar in die Geschicke eines Landes ein. Nur wenige wurden jemals zu eigentlichen Wächtern erkoren. Joeh weiß deshalb, dass die Aufgabe des Hüters übernommen werden kann – die Benennung zum Wächter aber nicht in der eigenen Hand liegt.

Seine ersten großen Jahre waren von Reisen geprägt. Joeh fuhr kreuz und quer über die Meere und verweilte in Ländern, deren Namen heute kaum noch jemand kennt. Manche dieser Reiche sind untergegangen, lange bevor ihre Geschichte niedergeschrieben werden konnte. Schließlich gelangte er gemeinsam mit seinem Freund Lutz als Gast der Drows in das alte Mimari. Lutz hoffte, dort in der Kunst der Magie unterrichtet zu werden. Joeh dagegen lernte vor allem, wie schmal der Grat zwischen Gastrecht und Gefahr sein kann.

Nur durch Lutz' Schutz entkam Joeh den Höhlen der Drows schließlich ohne bleibenden Schaden. Als sie in ihr Land zurückkehrten, begann dieses bereits auseinanderzubrechen. Gemeinsam mit ihren Freunden beschlossen sie daher, mit einem Schiff in das Land Mimari zu reisen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ließen sie sich dort nieder und übernahmen sogleich den Schutz einer magischen Quelle, die sie entdeckt hatten.

Den großen Krieg, nach dem sich das Land in Merilandor verwandelte, überstand Joeh als Waldelb nur durch seine Beharrlichkeit – und durch die Rückendeckung der Herzogin. Tag für Tag waren Anfeindungen zu ertragen. Bis zum letzten Tag blieb das Leben ein Spießrutenlauf, bei dem Joeh lernen musste, wann Schweigen klüger war als eine Antwort und wann Nachgeben nur den nächsten Angriff vorbereitet hätte. Seine Sturheit war dabei keine bloße Schwäche. Sie wurde zu dem festen Halt, der ihn durch diese Jahre trug.

Als das Land danach wieder aufblühte, fand Joeh eine neue Form, für andere da zu sein. Er eröffnete seine erste Taverne und gab ihr den Namen Mellon – elbisch für „Freund“. Aus dem Haus wurde bald ein weit über die Grenzen bekanntes Gasthaus: ein Ort für Reisende, Fremde, alte Bekannte und jene, die nach einer langen Wanderung nicht nur ein Dach, sondern auch ein wenig Vertrautheit suchten. Joeh blieb dabei mehr als ein Wirt. Er hörte zu, beobachtete und wusste oft schon vor seinen Gästen, welche Nachricht mit ihnen durch die Tür gekommen war.

Doch selbst ein Land, das sich erholt, kann seine tiefsten Kräfte verlieren. Als die magische Quelle zu versiegen drohte und Merilandor merklich unterging, machten sich Joeh und seine Freunde erneut auf den Weg. Gemeinsam durchquerten sie die Quelle und gelangten zunächst für mehrere Wochen nach Clevis. Der Aufenthalt dort brachte neue Schwierigkeiten. Als sie schließlich weiterzogen und das heutige Mimari erreichten, waren viele Freunde bereits in alle Welt verstreut.

Die Wirren des Untergangs und die problematischen Jahre in Clevis hatten den Zusammenhalt unter den Elben geschwächt, aber nicht zerstört. Über alle Grenzen hinweg blieben sie miteinander in Verbindung. Manche Freundschaften mussten große Entfernungen und lange Zeiten überstehen; gerade deshalb besitzen sie für Joeh einen besonderen Wert.

Auch im heutigen Mimari übernahm Joeh mit seinen Freunden wieder die Aufgabe, eine magische Quelle zu hüten. Ihr Zugang ist inzwischen so gut wie versperrt, und die Quelle hat ihre einstige Kraft bislang nicht zurückerlangt. Joeh weiß, dass Wachsamkeit nicht dasselbe ist wie Macht. Sie können schützen, was ihnen anvertraut wurde. Ob die Quelle sie eines Tages wieder als ihre Wächter anerkennt, liegt jedoch nicht bei ihnen.

Abermals versiegte die Quelle. Nach vielen langen Wanderungen ließ Joeh sich schließlich erneut nieder und eröffnete wieder eine Taverne mit dem vertrauten Namen Mellon. Wer heute durch ihre Tür tritt, begegnet einem Waldelben, der viel gesehen, viel verloren und dennoch nicht aufgehört hat, anderen einen Ort der Freundschaft zu geben. Ob Joeh und seine Freunde ihre Quelle jemals wiederfinden werden, wagen sie kaum zu hoffen. Aber solange jemand über sie wacht, ist ihre Geschichte noch nicht zu Ende erzählt.