Vom 12. bis 14. April wurde der Platz vor dem Schloss Mkalvania wieder zum Treffpunkt für Händler, Gaukler, Geschichtenerzähler und Gäste aus nah und fern. Über dem Pflaster spannten sich bunte Wimpel, zwischen den Marktständen leuchteten Laternen. Wer nur einen kurzen Rundgang geplant hatte, blieb leicht an einer Auslage, bei einem Spiel oder in einem Gespräch hängen.
Der Frühling ist da!
Am Freitag, pünktlich zur achten Stunde, gab Prinz Kali hoch zu Ross mit seiner Fanfare das Zeichen zum Beginn. Lord Mkal begrüßte die Anwesenden mit einer erfreulich kurzen Ansprache:
Liebe Freunde und Gäste aus nah und fern, von diesseits und jenseits des Weltennebels! Auch in diesem Jahr begrüße ich euch alle mit Freude zu unserem Frühlingsmarkt. Lasst uns Feiern und Handel treiben. Lasst uns exotische Waren bestaunen und unser Glück beim Spielen versuchen.
Das ließen sich die Gäste nicht zweimal sagen. Zwischen Schlossmauern, Zeltdächern und dicht bestückten Tischen wurde geschaut, gehandelt und immer wieder jemand Bekanntes entdeckt. Die Bilder halten neben der Farbenpracht auch die vielen unterschiedlichen Gewänder und die kleinen Begegnungen vor den Ständen fest.
Von Kuchen, Seilen und allerhand Kostbarkeiten
Kamillas Bäckerei aus Uhlenforst war ein verlässlicher Anziehungspunkt. Brote, Kuchen und Torten sorgten für Gesprächsstoff; besonders Lorelais Appetit wurde im Lauf des Marktes zum wiederkehrenden Scherz. Auch das Original Extraflache Kattegater Steinscheibenbrot, kurz OEKS, fehlte nicht. Wer es weniger extraflach mochte, konnte sich laut dem damaligen Marktbericht sogar an „Extradick“ und „Extra Würzig“ halten.
Andernorts gab es Düfte, Teppiche und Schmuck aus Isfahan, Wein, Schmiedearbeiten und Waren aus dem Hutewald zu entdecken. Nikolas Nagy bot unter anderem heimische Kakaobohnen an; Sasha Rhode Mureaux zeigte seine detailreichen Miniaturen. Die Auslagen boten Anlass zum Fachsimpeln und Feilschen, ohne dass man für einen guten Marktbesuch überhaupt etwas kaufen musste.
Glück und eine Eselei
Am Stand der Seilerei aus Uhlenforst hingen die Hanfseile in ordentlichen Schlaufen. Der Flottenkapitän hatte dort ein Auge auf die Ware, während über Qualität, Einsatzmöglichkeiten und Preise gesprochen wurde. Gleich neben dem Handel kam auch das Vergnügen nicht zu kurz: Entenspiel, Pfeilwurf und Vickys Glücksrad luden dazu ein, Geschick und Glück zu versuchen. Lord Mkal gewann am Rad eine Wunderkerze und wusste schon, wann er sie gebrauchen konnte: beim Feuerwerk am letzten Abend.
Eine ganz eigene Marktgeschichte lieferte Insa mit ihrem Schwein. Sie suchte einen Esel zum Tausch, denn der Esel aus Uhlenforst war, wie im Gespräch zu erfahren war, von einem Hauptmann niedergeschlagen worden. Über die „Eselei“ wurde noch lange gespottet. Ob der Tausch je zustande kam, blieb offen; am Sonntag hieß es immerhin, das Schwein habe seinen Weg in Nikolas’ Schlafzimmer gefunden.
Geschichten und Gaukelei
Am Freitagabend versammelte sich das Publikum bei Lady Sabayna. Zwischen gemusterten Stoffen, warmen Hängelampen und bunten Polstern setzte sie ihre beim Herbstmarkt begonnene Geschichte fort. „Das Geisterschiff“ führte von einem Schiff im Seenebel über die Nachricht einer Seuche in Bazi bis nach Nadira. Die Zuhörer bedankten sich begeistert; auf eine weitere Fortsetzung hofften sie schon beim Abschied.
Am Samstag gehörte die Aufmerksamkeit Til Eulenspiegel und Jungfer Blue McLeod. Til, nach eigener Darstellung der größte Gaukler aller Zeiten, kündigte mit Blue den geheimnisvoll benannten „Rachenputzer“ an. Feuer, Fackeln und Kunststücke in luftiger Höhe ließen das Publikum staunen. Wer unten stand, konnte bei mancher Bewegung schon vom Zuschauen schwindelig werden – und applaudierte umso kräftiger.
Von Isfahan bis zum Feuerwerk
Der Sonntag führte die Gäste noch einmal in eine andere Welt. Falk trug den ersten Teil seines selbst verfassten Epos von Isfahan vor und begleitete die Geschichte mit wechselnden Klängen. Im Mittelpunkt standen die Brüder Chatri und Arjuna und ihr Weg bis zur Gründung der Stadt. Eine Stunde lang lauschte das Publikum; danach war der Wunsch nach einem zweiten Teil deutlich zu hören.
Zum Abschluss kehrten die Gäste auf den Marktplatz zurück. Dort erstrahlte Iasfy Zepps Feuerwerk über dem Schloss. Staunen, Beifall und Dankesrufe im Chat begleiteten die letzten Lichter. Zurück blieb die Erinnerung an drei Tage voller Waren und wunderlicher Geschichten, an einen Gaukler mit großen Ansprüchen, ein Schwein ohne Esel und viele Gespräche, für die man gern noch eine Weile auf dem Platz geblieben wäre.